Halloween und immer noch kein Fußball

In den letzten beiden Wochen konnte ich aufgrund der Verletzung, beziehungsweise Überlastung, meiner Knie immer noch kein Fußball spielen, weswegen ich zwar die eine Woche erst um zehn aufstehen musste und in der letzten Woche schon um halb zwölf nach Hause gehen konnte, allerdings wäre es mir um einiges lieber gewesen, wieder Fußball spielen zu können.

Der Freitag der vorletzten Woche war dann aber für alle Schüler komplett frei, da dieser ein “Pro-D-Day” war. Das ist das Gleiche wie ein pädagogischer Tag in Deutschland, der hier allerdings einmal monatlich stattfindet.

Am Donnerstag davor wurde ich deswegen auf eine Party von insgesamt zehn Kanadiern eingeladen, die ich inzwischen wohl zu meinen richtigen Freunden zählen kann. Es ging um halb zehn los und als ich dann bei Cams Haus, wo die Party stattfinden sollte, ankam, waren auch schon alle da…nur Cam selbst nicht. Sie kam dann eine halbe Stunde später und wir fingen an, verschiedene Trinkspiele zu spielen, allerdings natürlich ohne Alkohol, da ich wirklich nicht riskieren möchte, nach nicht einmal zwei Monaten Aufenthalt hier wieder zurück gesendet zu werden. Der Abend verging ziemlich schnell und plötzlich war es schon elf. Ich sollte um halb zwölf wieder zuhause sein, was ich von meinen Gasteltern sehr nett fand, da Gastschüler normalerweise gegen zehn Uhr zuhause sein müssen.

Cams Mutter fuhr mich also kurz darauf nach Hause, ich schrieb noch ein bisschen mit meinen Freunden und meiner Familie in Deutschland, legte dann das Handy aber auch schon weg und ging ins Bett, um nicht den kompletten Freitag zu verschlafen.

Am nächsten Tag passierte dann tagsüber nichts Besonderes, am Abend kam dann aber Gordon zu mir und fragte mich, ob ich Lust hätte, mit ihm essen zu gehen, weil er das heute vorhatte und es Sally nicht so gut ging. Ich sagte natürlich zu und zog mich nur kurz um, woraufhin ich mich nach einer ungefähr halbstündigen Fahrt in einer Kirche wiederfand. Ich hatte da nämlich etwas falsch verstanden und bekam nun von Gordon erklärt, dass wir auf einer kirchlichen Veranstaltung waren, bei der man Abendessen bekommt und anschließend verschiedene Desserts versteigert werden. Das eingenommene Geld soll dann dazu beitragen, Kindern in Guatemala zu helfen.

Nach ewig langen Reden und Gebeten, die mich kein bisschen interessierten, da ich nicht getauft bin und persönlich auch nichts von Religion halte, kam dann das Essen, und zwar eine Art Burrito, die mir noch schlechter schmeckte als mein bisher einziger Burrito am Boys’ Day vor einigen Jahren, den ich schon damals nicht ausstehen konnte. Ich aß aber natürlich brav auf, was mir durch die ziemlich widerlich essenden Nachbarn am Tisch nicht wirklich erleichtert wurde.

Die nächsten zwei Stunden schaute ich dann zu, wie irgendwelche Leute irgendwelche Kuchen für bis zu 1100 Dollar, also um die 700 Euro, ersteigerten, immer mit dem Hintergedanken im Kopf, dass ich die ganze Zeit meine Hausaufgaben für Englisch machen könnte und damit nun schon längst fertig wäre.

Diese musste ich dann allerdings um elf Uhr abends erledigen, als ich endlich wieder zuhause ankam. Nach diesem Erlebnis habe ich jetzt noch weniger Lust auf alles Mögliche in Zusammenhang mit der Kirche und hoffe einfach mal, dass ich an Weihnachten einfach zuhause bleiben kann.

Am Tag darauf passierte zum wiederholten Male erst wieder am Abend etwas Spannendes, und zwar ging es mit Milo, Andrew und Karen zu einem Horror-Mais-Labyrinth etwas außerhalb der Stadt. Dort angekommen trafen wir noch zwei Arbeitskolleginnen und Freundinnen von Karen, die uns dann nach einer halben Stunde Anstehen durch das Labyrinth begleiteten. Milo und ich blieben die ganze Zeit zusammen, was ich auch gut so fand, da ich ihn dann immer vorschicken konnte und selbst nicht mehr so erschreckt wurde.

Teilweise ging es dann auch durch kleinere Räume, wo teilweise Horror-Mädchen gegen angrenzende Türen sprangen oder einem ins Ohr brüllten. Außerdem ging es an einem kleinen Platz mit ein paar Gräbern vorbei, wo ich nur darauf wartete, dass eins auf einmal aufspringen würde, wozu es aber zum Glück nicht kam.

Leider hatte es aber auch einen Nachteil, Letzter zu sein, wir wurden nämlich zweimal von verschiedenen Kreaturen aus irgendwelchen Horrorfilmen, die ich nicht kenne, verfolgt und mit wurde sogar einmal auf die Schulter gefasst, was mich laut aufschreien ließ.

Das schlimmste kam dann jedoch ganz am Ende, als Milo und ich eine aus ungefähr zehn Leuten bestehende Gruppe eingeholt hatten. Aus einer Ecke hinter uns kam auf einmal eine Horror-Puppe, die langsam auf mich zu schlich und komische Geräusche machte. Als sie noch ungefähr fünf Meter von mir entfernt war, fing sie auf einmal an, los zu schreien und auf mich zu zu rennen. Bei diesem Schock tat an meinen Knien nichts mehr weh und ich wollte einfach nur noch rennen, was dann letztendlich dazu führte, dass Milo auch los lief und wir voll in die Menschengruppe vor uns rannten, was dann zu einem verstauchten linken Zeigefinger führte.

Das Ganze hat echt Spaß gemacht und war eine weitere neue Erfahrung, allerdings war ich irgendwie auch froh, als das Ganze dann vorbei war.

Ein sehr einladender Pickup.
Ein sehr einladender Pickup.
Vor dem "Cornmaze", also dem Maislabyrinth.
Vor dem “Cornmaze”, also dem Maislabyrinth.

Der Sonntag verging ganz entspannt, am Montag passierte dann aber schon wieder etwas. Kurz vor dem Abendessen wurde ich nämlich von Milo angeschrieben, ob ich nicht rüberkommen wolle und ihm bei der Vorbereitung seines ziemlich aufwendigen Kostüms helfen könne.

Nach dem Abendessen ging ich dann natürlich nach nebenan und arbeitet ganze zwei Stunde lang an dem Kostüm, welches vortäuschen sollte, ein Mann würde Milos toten Kopf in den Händen halten und mit sich herum tragen.

Dies funktionierte auch ziemlich gut und das Ergebnis ließ sich echt sehen, worauf ich dann auch ziemlich stolz war, da ich die meiste Arbeit geleistet hatte, weil Milo das Kostüm die ganze Zeit selber tragen musste und ich seinen künstlich erweiterten Rücken mit Styropor-Kugeln und Plastiksäcken füllen musste, wobei er mir ja schlecht helfen konnte.

Der erste Versuch, Milos Kostüm zu verwirklichen. An Halloween selbst habe ich leider komplett vergessen, Fotos zu machen, weswegen ich auch keins von meinem endgültigen Kostüm habe.
Der erste Versuch, Milos Kostüm zu verwirklichen. An Halloween selbst habe ich leider komplett vergessen, Fotos zu machen, weswegen ich auch keins von meinem endgültigen Kostüm habe.

Am nächsten Abend machte ich mich dann auch an meine Kostüm-Idee, wofür ich ein Kreuz aus zwei Holzleisten brauchte. Nun muss man eine Schnur oder einen Draht zwischen zwei nebeneinander liegende Enden spannen und das Ganze in seine Jacke legen. Das Ergebnis schaut Ihr Euch dann aber lieber hier an, das Ganze ohne Bild oder Video darzustellen ist nämlich ziemlich schwierig. (Dieser Link führt Euch zu einem Youtube-Video, von dem ich diese Idee habe).

Alternativ sieht man auch hier die besagte Konstruktion.
Alternativ sieht man auch hier die besagte Konstruktion.

Dafür fragte ich Gordon, ob er mir dabei helfen könne, da er ständig irgendwelche Dinge aus Holz macht, wie zum Beispiel einen Baseball-Schläger oder Spielzeug-Laster für seinen Enkel, aber auch Küchenplatten etc.

Er konnte mir auf jeden Fall helfen und nach einer halben Stunde war mein Halloween-Kostüm dann auch fertig.

Gordons Werkstatt in der Garage.
Gordons Werkstatt in der Garage.

Nun verging eine weitere Schulwoche und ein Wochenende ohne besondere Zwischenfälle, bis am Montag dann der 31. Oktober erreicht war, es war also Halloween. Morgens in der Schule hatten die Hälfte der Schüler schon teilweise echt aufwendige Kostüme an und ich war gespannt, wie es dann am Abend aussehen würde, wenn wir um die Häuser ziehen und Süßigkeiten sammeln.

Nach der Schule hatten wir dann aber erstmal noch etwas Zeit und ich verbesserte meine Konstruktion noch ein bisschen, da das Seil oben etwas zu lang war und das Kreuz dadurch immer zu breit wurde, Gordon hatte die Holzleisten in der Mitte nämlich nicht zusammen geklebt, sondern beweglich zusammengeschraubt. Außerdem habe ich meine weiße Maske noch mit ein bisschen Kunstblut verbessert und ich habe mir Milos Hemd, meine schwarze Hose und das Jacket,welches ich mir ein paar Wochen zuvor gekauft hatte, angezogen.

Um sechs Uhr bin ich dann zu Milo gegangen, um ihm noch mit seinem Kostüm zu helfen, was vielleicht noch einmal höchstens eine Stunde in Anspruch genommen hätte, sodass wir gegen sieben Uhr losgegangen wären.

Allerdings kam Milo auf einmal mit einer neuen Idee für sein Kostüm. Es sollte so aussehen, als würde er eine andere Person in einer Kiste vor sich her tragen. Dafür brauchte man einen Karton von der Größe, dass er letztendlich auf seinen Hüften sitzen kann, was uns allerdings erst nach über zwei Stunden Arbeit auffiel. Wir gaben das Kostüm auf und Milo verkleidete sich so, wie wir das vor einer Woche noch ausprobiert hatten, was unter dem immensen Zeitdruck allerdings nicht einmal ansatzweise so gut aussah.

Noch ernüchternder wurde es dann aber, als Gordon uns zu unsere Schule fuhr, damit wir in dem Wohngebiet gegenüber an den Häusern klingeln konnten. Es war nämlich bereits neun Uhr und alle Häuser waren dunkel, was hier ein Zeichen dafür ist, dass keine Trick-or-Treater erwartet werden. Am Ende fanden wir genau ein Haus, das und noch Süßigkeiten gab.

Natürlich war das ziemlich traurig, vor allem Milo tat mir echt leid, da er sich so auf Halloween gefreut hat, das wird in Mexiko nämlich komplett anders gefeiert, allerdings trafen wir dann noch Milos Bruder, der kurz darauf zusammen mit Milo, Karen und mir in unserem Wohnzimmer saß.

Wir spielten am Abend noch etwas Karten, was sehr viel Spaß machte, und bekamen doch noch viele Süßigkeiten, da bei uns niemand vorbei gekommen war, Gordon und Sally allerdings riesige Vorräte eingekauft hatten.

Der Herbst ist bereits in vollem Gange und die meisten Bäume haben bereits all ihre Blätter verloren.
Der Herbst ist bereits in vollem Gange und die meisten Bäume haben bereits all ihre Blätter verloren.
Das habe ich vor kurzem im Kunstunterricht gemalt. Ich war selbst überrascht von dem Ergebnis und ziemlich stolz drauf, bis ich dann den Schriftzug "snipes" auf den Pullover gezeichnet habe, der sich zumindest in meinen Augen als großer Fehler herausstellte.
Das habe ich vor kurzem im Kunstunterricht gemalt. Ich war selbst überrascht von dem Ergebnis und ziemlich stolz drauf, bis ich dann den Schriftzug “snipes” auf den Pullover gezeichnet habe, der sich zumindest in meinen Augen als großer Fehler herausstellte.
Das ist im letzten Kunstunterricht durch eine Art selbst gemachten Stempel entstanden. Dazu habe ich erst die einzelnen Flächen aus einem dicken Blatt Papier ausgeschnitten, auf ein weiteres Papier geklebt und dann als Schutz eine Schicht Flüssigkleber darauf trocknen lassen. Anschließend habe ich mit einer Rolle Farbe aufgetragen und das Ganze dann durch eine Druckpresse gejagt.
Das ist im letzten Kunstunterricht durch eine Art selbst gemachten Stempel entstanden. Dazu habe ich erst die einzelnen Flächen aus einem dicken Blatt Papier ausgeschnitten, auf ein weiteres Papier geklebt und dann als Schutz eine Schicht Flüssigkleber darauf trocknen lassen. Anschließend habe ich mit einer Rolle Farbe aufgetragen und das Ganze dann durch eine Druckpresse gejagt.
Das habe ich heute im Kunstunterricht ausgemalt, nachdem ich von meiner Sitznachbarin eine Zeichenvorlage bekommen habe. Diese kann übrigens beeindruckend gut malen und eventuell kann ich in die nächsten Beiträge mal das ein oder andere Bild packen.
Das habe ich heute im Kunstunterricht ausgemalt, nachdem ich von meiner Sitznachbarin eine Zeichenvorlage bekommen habe. Diese kann übrigens beeindruckend gut malen und eventuell kann ich in die nächsten Beiträge mal das ein oder andere Bild packen.

 

4 thoughts on “Halloween und immer noch kein Fußball

  1. Der Beitrag war wieder sehr interessant. Ich freue mich, dass du Freunde gefunden hast und es deinem Knie wieder besser geht.
    Ich finde auch nicht, dass “Snipes” der Zeichnung schadet. Übrigens gefallen mir alle deine Kunstarbeiten. Ich wußte nicht, dass du so begabt bist.
    Wie immer: looking Forward to your next summery of Activities and Events

  2. Das war jetzt eine schöne Frühstückslektüre! Nur echt schade, dass es kein Foto von deinem Halloween-Kostüm gibt…
    Und ich finde den “snipe”-Schriftzug auf der Zeichnung keinen Fehler, er “erdet” die Figur, jetzt müsste Jarno nur noch einen dunkleren Hintergrund bekommen.
    Du scheinst inzwischen wirklich in Kanada angekommen zu sein und auch die Erfahrung bei der Essens-Versteigerung war doch eine interessante! An Weihnachten wird es bestimmt feierlicher und netter werden und ich weiß nicht, ob du dich um dieses Erlebnis bringen solltest. Dann ist doch bestimmt auch Milo dabei und damit nicht so langweilig…
    Ich wünsche dir weiterhin eine so schöne Zeit.

    1. Ja, da hast du schon Recht, ich lasse es mal auf mich zukommen, so wie alles andere bisher auch, hat ja ganz gut funktioniert (wenn man mal von der Anmeldung bei der Soccer Academy absieht ).

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