Ein langes Wochenende und eine Erkältung

In den letzten Wochen ist so wenig passiert wie bisher noch nie, seitdem ich hier in Vernon vor zweieinhalb Monaten angekommen bin, womit inzwischen übrigens schon ein Viertel meines Aufenthaltes hier vorüber gegangen ist. Dementsprechend habe ich letzte Woche keinen Beitrag veröffentlicht, habe mich jetzt dieses Wochenende aber doch dazu durch gerungen, mal wieder ein bisschen zu schreiben.

In den ersten beiden der drei Wochen ist zumindest vor dem Wochenende der zweiten Woche nichts nennenswertes geschehen, Fußball konnte ich auch immer noch nicht spielen. Am Donnerstag nach der Schule fragte mich dann aber Richard, ob ich Lust darauf hätte, Sushi essen zu gehen, was ich natürlich nicht verneinte. Milo wollte auch mitkommen und so fuhr uns Gordon abends in die Stadt, wo es ein gutes All-You-Can-Eat Sushi Restaurant gibt, in dem Richard oft mit seinen chinesischen Freunden hingeht.

Richard bestellte für uns alle verschiedene Sorten an Sushi, eine Art Hüte aus Seetang mit Reis und Fleisch, gebratene Nudeln und Fleisch. Als uns das Essen nur wenige Minuten später nach und nach an den Tisch gebracht wurde, staunten Milo und ich nicht schlecht, da alles miteinander sehr lecker aussah und wir den Tag über nicht viel gegessen hatten.

Bis auf die Tunfisch-Sushis schmeckte alles mindestens genauso gut, wie es aussah, weshalb der Tisch ziemlich schnell wieder leer war und mehr Sushi her musste, zumal es ja nicht mehr kosten würde. Richard bestellte also nochmal eine ähnlich große Ladung, nun fiel uns aber auf, dass wir eigentlich schon gar nicht mehr so viel Hunger hatten und es schwierig werden würde, alles aufzuessen. Ich war der Einzige, der darin noch Hoffnung sah und wir fuhren fort, die leckeren Sushis zu genießen. Der Teil des Genusses hörte allerdings nur wenig später auf und wir gaben einfach nur noch unser Bestes, die Teller zu leeren, um keine fünf Dollar zahlen zu müssen, weil wir unser Essen nicht geschafft haben.

Am Ende blieb dann leider außer drei völlig überfüllten Mägen auch noch die ein oder andere Sushi übrig, Richard meinte allerdings, er würde die fünf Dollar bezahlen, da es seine Schuld sei, weil er ja die ganzen Sushis bestellte hatte.

Nachdem Milo und ich dieses Angebot dankend außer Acht ließen, kostete es dann jeden von uns 23 Dollar und wir fuhren kurz darauf mit einem Bus nach Hause.

Die erste Ladung Sushi...
Die erste Ladung Sushi…
...und dann die zweite.
…und dann die zweite.

Am nächsten Tag passierte dann nichts, der Freitag war allerdings aufgrund des Remembrance Day, an dem an die verstorbenen Soldaten während beider Weltkriege gedacht wird, schulfrei.

Als ich am Tag darauf, also am Samstag, morgens einen Kaffee trank und mich dazu ins Wohnzimmer setzte, kamen Gordon und Sally von ihren Einkäufen wieder und fragten mich, ob ich Lust hätte, mit ins Theater zu kommen, sie hätten nämlich Karten für sich, Karen und Carol, Karens ältere Schwester, gekauft, Karen hätte aber keine Lust mehr, mitzukommen.

Natürlich nahm ich auch dieses Angebot an, als wir dann zwei Stunden später im Theater warteten, fiel mit aber auf, dass die restliche Zuschauerschaft größtenteils aus Grundschulkindern mit deren Eltern bestand.

Dementsprechend war das Theaterstück “Peter Pan” eher etwas für jüngere Kinder, hin und wieder konnte ich allerdings auch über einige lustige Szenen lachen. Dies passierte vor allem, da zwei Kinder um die 12 Jahre, welche aus dem Publikum ausgesucht wurden, Peter Pan und Wendy spielten. Der Erzähler der Geschichte gab dann die Geschichte von sich und die Kinder, sowie drei Schauspieler in den Nebenrollen, folgten dann quasi seinen Anweisungen, wobei der Erzähler sie manchmal mit ziemlich witzigen Bemerkungen darauf hinwies, dass sie gewisse Szenen etwas anders darstellen sollten.

So sollte Wendy beispielsweise einmal einschlafen und hatte dafür auch ein Kissen in der Hand, was sie sich dann an den Kopf legte und die Augen schloss, der Erzähler meinte daraufhin allerdings, es würde sich im liegen ja um einiges besser schlafen lassen.

Die Bühne bevor das Theaterstück anfing
Die Bühne bevor das Theaterstück anfing

Danach ging es zum späten Frühstück dann noch mit Gordon und Sally zu einem Tim Hortons, wo wir dann zufällig Carol wieder trafen und uns mit ihr etwas über die US-Wahlen und Trump unterhielten. Gordon bemühte sich allerdings nach nur wenigen Worten darum, das Thema schnellstmöglich wieder zu wechseln, da Carol Trump-Anhängerin ist und sich somit ziemlich schnell eine rege Diskussion zwischen ihr und ihrer Mutter entfachte.

Kurz darauf war aber alles wieder in Ordnung und wir verabschiedeten uns nett von Carol, die sich dann, genau wie wir auch, auf den Heimweg machte.

Der auf dieses Wochenende folgende Montag war nun auch frei, da mal wieder Zeit für einen Pro-D-Day war. Für mich war dieser Tag dann aber doch nicht ganz so frei, Gordon fuhr mich nämlich gegen eins zu einer Klinik, wo mein Knie, das bis jetzt immer noch nicht besser wurde, geröntgt werden sollte. Anschließend machte Gordon noch einige Besorgungen, die er für den Bau einer neuen Dusche in ihrem Bad brauchte, an dem er nun schon seit zwei Wochen beschäftigt ist.

Anschließend ging es dann aber auch schon wieder nach Hause, wo ich mich an den Computer setzte und den vierten freien Tag in Folge genoss. Etwas später hörte ich dann auf einmal Richard aus der Richtung unserer beiden Zimmer um Hilfe schreien, woraufhin ich schnell meine Kopfhörer absetzte und in die Richtung der Schreie rannte.

Bei dem folgenden Anblick konnte ich mein Lachen dann nicht mehr unterdrücken: Richard war auf einem Sessel, dessen Lehne man nach hinten verstellen konnte, nach hinten umgekippt, da der Sessel sein Gewicht wohl nicht so gut ausgleichen konnte und nun lag er zwischen dem umgekippten Sessel vor ihm, einem Fernseher und einem Sofa zu seinen Seiten und einer Wand hinter ihm wie eine Schildkröte auf dem Rücken und konnte sich nicht aus dieser Lage befreien, bis ich ihm half, den Sessel wieder aufzustellen.

Die Schule am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag verging dann wieder ohne besondere Zwischenfälle, wobei ich mich am Donnerstag schon ziemlich geschafft und müde fühlte, obwohl ich die letzten Tage eigentlich nicht sonderlich spät ins Bett gegangen war. Am Morgen des nächsten Tages wusste ich dann, woran das lag. Ich konnte mich nämlich an diesem Morgen nur sehr schwer aus dem Bett quälen, um Gordon und Sally mitzuteilen, dass ich heute aufgrund einer ziemlich schweren Erkältung lieber zuhause bleiben würde.

Etwa eine Stunde später wagte ich mich dann endgültig aus dem Bett, rettete mich mit einer Tasse Kaffee dann allerdings direkt wieder in den oben erwähnten Sessel, in welchem ich dann den restlich Tag verbrachte. So kam ich an diesem Tag aber auch zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder dazu, mich über Skype mit zwei meiner Freunde zu unterhalten, worüber ich sehr glücklich war.

Diese Muffins haben Milo und ich am Wochenende gebacken, da Milo ein einfaches Rezept gefunden hatte...
Diese Muffins haben Milo und ich am Wochenende gebacken, da Milo ein einfaches Rezept gefunden hatte…
...auch so sehen sie noch nicht besonders und wohl auch nicht sonderlich lecker aus...
…auch so sehen sie noch nicht besonders und wohl auch nicht sonderlich lecker aus…
...wenn man dann aber sieht, dass das Innere aus geschmolzener Kinder-Schokolade besteht, würde zumindest mir das Wasser im Munde zusammenlaufen.
…wenn man dann aber sieht, dass das Innere aus geschmolzener Kinder-Schokolade besteht, würde zumindest mir das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Dieses Abendessen war identisch zu meinem ersten Frühstück hier, was ich geliebt habe...nur dass es diesmal abends war.
Dieses Abendessen war identisch zu meinem ersten Frühstück hier, was ich geliebt habe…nur dass es diesmal abends war.
Der wohl größte Pancake, den ich je gegessen habe.
Der wohl größte Pancake, den ich je gegessen habe.
Dieses Bild war gemeinsam mit dem letzten Portrait meines Cousins Jarno wohl das aufwendigste hier. Es hat mich ungefähr eine Woche gekostet, die beiden Tiere erst mit Bleistift abzupausen und dann mit Fineliner nachzuziehen, die Kästen mit einem schwarzen Filzstift zu ziehen und anschließend die Landschaft im Hintergrund mit Wasserfarbe zu malen.
Dieses Bild war gemeinsam mit dem letzten Portrait meines Cousins Jarno wohl das aufwendigste hier. Es hat mich ungefähr eine Woche gekostet, die beiden Tiere erst mit Bleistift abzupausen und dann mit Fineliner nachzuziehen, die Kästen mit einem schwarzen Filzstift zu ziehen und anschließend die Landschaft im Hintergrund mit Wasserfarbe zu malen.
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Dieses Bild war dann um einiges weniger aufwendig, ist so allerdings noch nicht fertig. Durch mein Fehlen in der Schule am Freitag konnte ich allerdings noch nicht weiter daran arbeiten.

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