Kepler Track

15. – 18. Dezember 2018

Tag 1 von Te Anau zu Brod Bay (9,6 km)

Am ersten Tag mussten wir nur am See entlang 9,6 km zu unserer ersten Übernachtung am Brod Bay Campground laufen. Wir suchten am Morgen alles gemütlich zusammen und packten unsere Rucksäcke. Gegen 11:00 brachen wir auf, immer flach knapp 10 km um den See Te Anau herum durch einen verwunschenen Wald mit Farnen und Moos und wunderschönem Vogelgesang, bis wir am Brod Bay kurz nach eins unser Zelt direkt am Strand aufbauten.

Los geht’s: Es liegen vier Tage und knapp 70 km zu Fuß vor uns…
Wir würden später erfahren, dass es in Neuseeland inzwischen so Unmengen an Farn gibt, da das eingeführte Rotwild viele andere bodennahe Pflanzen durch Auffressen schlichtweg ausgerottet hat.

Ich habe mich dann gleich im See erfrischt, wir haben gelesen, gegessen und sind früh schlafen gegangen. Denn am nächsten Tag würden wir 24 km vor uns haben.

Tag 2 – Brod Bay – Luxmore Hut – Iris Burn

Weil wir keine Übernachtung mehr auf der Luxmore Hut buchen konnten, mussten wir die gesamte Strecke vom Brod Bay Campground am Lake Te Anau zur Iris Burn Hut am Stück laufen. Mit rund 15 kg auf dem Rücken und nahezu keinerlei Training! Und ja, das war mindestens so schlimm, wie es klingen soll!

Aber auch wunderschön, wenn man mal die Ruhe und Kraft fand, den Ausblick zu genießen.

Sanitäre Anlagen auf dem Brod Bay Campground. „Trinkwasser“ gab es aus dem Regenwassertank….

Aber der Reihe nach: Der Wecker ging um 5:45 Uhr. Vom Sonnenaufgang war leider nicht so viel zu sehen, da dicker Dunst über dem See hing. Wir packten alles zusammen und sind eine Stunde später um Viertel vor sieben aufgebrochen zu unserer heutigen 10-Stunden-Wanderung. Dabei hatten wir auf unserer ersten Etappe zur Luxmore Hut 900 Höhenmeter auf 8,2 km Länge zu überwinden. Das ging ganz gut durch den dunstigen kühlen Märchenwald voller Farne und Moos und urigen Bäumen.

Als wir über die Baumgrenze kamen, war über uns die Sonne auf strahlend blauem Himmel zu sehen und in den Tälern um uns herum hingen die Wolken als dicke weiße Schicht.

Luxmore Hut von unten

Wir erreichten Luxmore Hut gegen halb zehn, hatten also anderthalb Stunden weniger gebraucht als auf dem Schild angegeben. Wir machten und tranken einen Tee auf der Terrasse der Hütte, auf der wir nicht hatten übernachten dürfen, und füllten unsere Flaschen mit frischem Wasser auf.

Luxmore Hut von oben

Gegen elf machten wir uns dann wieder auf den Weg, kurz nachdem die meisten aufgebrochen waren, die die Nacht auf der Luxmore Hut verbracht hatten.

Wir waren, wie alle, die wir gesprochen hatten, davon ausgegangen, dass der schwerste Teil des heutigen Tages bereits hinter uns lag. Laut Reiseführer lag die Iris Burn Hut, die unser Ziel war, zwar in 14,6 km Entfernung, aber nur 300m höher als unser derzeitige Standort.

Oberhalb der Luxmore Hut und der Weg hinter uns…
…und der Weg vor uns.

Der wunderschöne Weg, also Pfad durch beeindruckende Langschaft zog sich jedoch unendlich und unser Gefühl, dass es ständig bergauf ging, wurde uns im Nachhinein dahingehend bestätigt, dass wir tatsächlich auf diesem Stück nochmals 684 m hoch gelaufen waren und insgesamt 1200m bergab.

Tobn wurde zwischenzeitlich extrem langsam und blieb dann ganz stehen. Ich war schon am Überlegen, wie wir überhaupt ankommen sollen oder wo ich einen Helikopter her bekommen würde. Als es dann tatsächlich irgendwann wirklich nur noch bergab, wieder durch den Wald in niemals endenden Serpentinen Richtung Iris Burn Hut ging, waren auch meine Beine vollkommen am Ende. Man kann sich einfach nicht vorstellen, so kaputt zu sein, solange man es nicht ist und danach auch nicht mehr.

Als ich Tobn fragte, ob und wann er mal so k.o. gewesen war, musste er lange überlegen und meinte dann, vielleicht nach seinem ersten Marathon.

Bei einer Rast trafen wir auch auf ein paar Keas. Erst war ich etwas enttäuscht, dass wir nicht mehr gesehen haben. Als ich dann aber hörte, was eine ganze Horde junger Keas am Tag zuvor angerichtet hatte, war ich doch eher froh darüber. So hatten sie Stiefel, Zelte und Rucksäcke kaputt gehackt und alles, was nicht niet- und nagelfest war, geklaut, darunter sogar ein Smartphone einer Lehrerin, die wir noch kennenlernen sollten, sie hat ihr Smartphone nie wieder gesehen!
Und wieder die komfortablen sanitären Anlagen. Diesmal gab es aber zum Glück genießbares Trinkwasser.

Wir kamen gegen fünf an, bauten unser Zelt auf und haben uns dann noch sehr nett mit Nils und Mona aus Hamburg und mit Liane und Paul aus Amsterdam unterhalten, während wir zu Abend aßen (Bohnen mit Tomatensauce mit Käse und Nüssen).

Um acht lagen wir im Zelt und ich bin sofort eingeschlafen!

Tag 3 From Iris Burn Hut to Moturau Hut

Ich wachte um sieben am Morgen auf, als Tobn die Luft aus seiner Matte abließ – nach elf Stunden Tiefschlaf! Wir packten alles zusammen und konnten bei herrlichem Sonnenschein gegen acht unsere nächste Tour antreten.

Diesmal „nur“ sechs Stunden durch „flaches“ Wald- und Wiesengelände. Nur dass sich jede noch so flache Steigung nach der gestrigen Tour wie ein steiler Berganstieg anfühlte! Alles in allem war es jedoch eine recht entspannte Wanderung oft an einem wunderschönen Bergfluss entlang.

Wir kamen auch tatsächlich schon nach fünf statt sechs Stunden an der Moturau Hut an. Dennoch immens erleichtert, den Rest des Tages uns nicht mehr rühren zu müssen.

Ich nahm gleich ein herrlich erfrischendes Bad im LakeManapouri . Und anschließend verbrachten wir einen sehr interessanten und netten Nachmittag in der Hütte mit Liane und Paul, die wir ja schon am Tag zuvor mehrfach getroffen hatten.

Im Vordergrund Liane und Paul, dahinter Phil der Ranger
Geschichtsstunde mit Phil

Es folgte noch eine Geschichtsstunde mit Phil, dem Hüttenwirt, hier Ranger genannt, und dann ging es gegen neun auch schon wieder ins Bett. Diesmal sogar wirklich ins Bett, dem einzigen, in dem wir in den gesamten sechs Wochen in Neuseeland schlafen würden, da man an der Moturau Hut nicht zelten kann.

Tag 4 From Moturau Hut to Busstopp and back to Te Anau

Nach dieser Nacht in der Moturau Hut wusste ich auch wieder ganz genau, warum ich unser Zelt so innig liebe! Die Hütte war toll, das Zimmer war toll, selbst die Matrazen waren appetitlich, da sie mit LKW-Plane bezogen waren und man mit seinem eigenen Schlafsack darauf schlief. Wir hatten auch absolut liebe und angenehme Raumgenossen: die beiden Niederländer Liane und Paul sowie ein weiteres Paar. Aber trotzdem, oder gerade deswegen(?) fand ich es so wahnsinnig anstrengend: Ich traute mich kaum zu atmen, weil ich ständig das Gefühl hatte, die anderen zu stören. Nein, das ist nichts für mich…

Trotzdem haben wir die Nacht dann doch ganz gut geschlafen bis wir um Viertel vor sieben vom Wecker geweckt wurden (also Tobn vom Wecker und ich von ihm). Wir sind
gegen halb acht im stetigen Regen aufgebrochen und wie angekündigt nach anderthalb Stunden am Bus Stopp angekommen.

Als wir dort dann noch eine Stunde warten mussten, bis um 10:00 Uhr der Shuttle Bus zurück zu unserem Campingplatz kommen würde, wurde es echt kalt und ungemütlich. Aber der Bus kam, der Busfahrer war sehr nett (wir waren die einzigen Gäste) und kaum zurück am Campingplatz war das Zelt aufgebaut und nach einer heißen Dusche haben wir den freien, gammeligen Nachmittag vor dem Zelt bei Kaffee mit Milch(!) ausgiebig genossen.

Abends waren wir dann in Te Anau im Kepler Restaurant essen (wo auch sonst!?) und als es später anfing zu regnen, zogen wir in den gemütlichen Aufenthaltsraum des Campingplatzes um.

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